Neuseeland

Neuseeland


Wie ich schon beim Bustext berichtet hatte, haben wir uns eine ganze Weile auf der besagten Straußen- und Emufarm aufgehalten. Da haben wir nicht nur den Bus

ausgebaut, sondern auch jede Menge Spaß gehabt. Um euch eine Vorstellung davon zu geben, wie nett die Kiwis sein können, möchte ich in diesem Text ein bisschen davon erzählen, was wir auf der Farm erlebt haben.
Ok, alles von Anfang an… Eigentlich war es nur ein riesiges Glück, dass wir auf dieser Farm gelandet sind. Wir hatten von irgendeiner Touri-Info ein Flyer

bekommen, in dem ein Foto von ein paar Straussen abgebildet war. Strauße in Neuseeland?? Wo gibt’s denn so was?? Das müssen wir uns ansehen.
Zu unserer Enttäuschung fanden wir an der angegebenen Adresse nur ein verschlossenes Tor vor. Wir hatten schon gewendet und wollten die Weiterfahrt antreten als Henning (ein neu gewonnener Freund aus Leipzig, der ebenfalls für ein Jahr in Neuseeland unterwegs ist) einfach über den Zaun hinweg jemanden angequatscht hat. Kurz darauf war das Tor offen und uns wurde die Farm gezeigt. Wir kannten ja Emus schon von einem Freund der im Vogtland lebt (hallo Herr Zwähn), aber Strauße kennt man ja nur aus dem Zoo. Schon beeindruckend wenn so ein 2,50m Tier vor einem steht. Besonders die Männchen haben angefangen ihr Revier zu verteidigen und einen auf dicken Macker gemacht – rumgefaucht und gegluckst wie nichts Gutes.

Nachdem die „Führung“ beendet war haben wir dann noch den Farmer angetroffen, der gerade an irgendwas rumgebastelt hat. Er hatte keine große Lust und auch keine Zeit sich mit uns zu beschäftigen, daher war er sehr sehr kurz angebunden. Er hat nur gefragt wo wir herkommen - und genau diese Frage hat dann dazu geführt, dass wir uns noch stundenlang weiter unterhalten haben. Wir haben nämlich gesagt, dass wir frisch aus Südamerika kommen und gerade Bolivien und Chile hinter uns gelassen haben. Volltreffer!!!
Der Farmer (Rosco ist sein Name) war auf einmal sehr interessiert an Bolivien und hat gleich eine Landkarte rausgeholt. Nach ein paar weiteren Minuten war auch klar warum – er plant eine Motorradtour durch Südamerika mit zehn anderen Leuten fürs Jahr 2008. Und genau die Salzwüste in Bolivien ist der eine Knackpunkt in seiner Planung. Er hat keine Ahnung was ihn dort erwartet und was er

einplanen muss. Was gut, dass wir gerade dort waren und ihm dementsprechend viele Infos geben konnten. Da wir jede Menge zu berichten hatten und ihm noch einige Fotos zeigen wollten, haben wir kurzerhand ein neues Treffen mit mehr Zeit eine Woche später ausgemacht.
Und so war es auch, eine Woche später standen wir wieder bei ihm auf der Matte um ihm alles ganz genau zu erklären und zu zeigen. Naja, und aus ein paar Fotos wurden dann einige Stunden bei gutem Wein und leckerem Essen. Schlussendlich haben wir bei ihm auf dem Hof in unserem Van übernachtet…
Am nächsten Morgen haben wir zusammen mit Rosco und Raewyn (seine Frau) gefrühstückt und uns über unsere Pläne unterhalten. „Arbeit suchen“ war unsere Antwort. „Wir brauchen Geld.“ Und wie es der Zufall will, hatten Raewyn und Rosco genug Arbeit für uns. „Erstmal für ein oder zwei Wochen“ war die Vereinbarung – und daraus wurden satte eineinhalb

Monate!
Gearbeitet wurden 4h am Tag gegen Kost und Logis, alle weiteren Stunden wurden Bar ausbezahlt. Der beste Deal für uns. Gewohnt haben wir wirklich sehr gut in einem riesigen Wohnwagen mit eigener Küche, Dusche und Klo und das Essen, das Raewyn jeden Tag gezaubert hat war unglaublich gut. Ich habe in der Zeit schlappe 7 Kilo zugenommen, aber das ist nicht weiter verwunderlich wenn man jeden Abend nachts um 11 noch ein Stück frischen Kuchen mit irgendeiner Sahnesoße vorgesetzt bekommt. Ahhh, lecker….
Aber keine Sorge, ich bin jetzt keine rollende Kugel… Dank der vielen Arbeit dort ist alles wieder weg!!
Als erstes haben Anja und ich ein riesiges Bambusfeld abgeholzt. Es sollte

eigentlich ein Windschutz sein, aber der Bambus hat sich dann unkontrolliert verbreitet. Dementsprechend riesig und verwildert präsentierte sich uns dieser

„Wald“. Es hat gut ein Woche gedauert bis wir den letzten Bambusstab abgehackt hatten. Eine Woche voller Schmerzen, Dreck und Staub. Nach einem halben Jahr herumreisen waren wir harte Arbeit nicht mehr gewöhnt. Aber trotz Sehnenscheidenentzündung und Rückenschmerzen haben wir es geschafft!!! Gleich darauf kam der Bagger angerückt und hat die ersten 20cm Erde mit den meisten Wurzeln abgetragen. Alle weiteren Wurzeln die im Boden geblieben waren wurden dann in den nächsten Wochen von uns per Handarbeit rausgesammelt. Unglaublich wie schnell das Zeug wieder wächst. Es waren ungelogen gute 10cm pro Tag.

Damit wir bei der ganzen Bambusaktion nicht verblöden, haben wir nebenbei noch einige andere Jobs verrichtet. So hat Anja den Garten von Raewyn wieder auf Vordermann gebracht und ihn vom Unkraut befreit. Ich habe Roscos Garagentore abgeschliffen und neu gepinselt. Dabei muss man wissen, dass die Garage groß genug für 4 Autos und ein Wohnmobil war. Nach drei Tagen schleifen hatte ich auch die Haut von meinen Fingern geschliffen… Des Weiteren habe ich schweren Herzens mehrere m² Blausternlilien ausgerodet (hallo Mutti, tut mir leid, aber das war mein Job…). Die Pflanzen gelten hier als Unkraut und sind für viele eher lästig als schön. Dann haben wir noch ein paar Bäume gefällt und andere kleine Arbeiten verrichtet. Im Großen und Ganzen waren wir permanent beschäftigt, hatten aber dennoch genügend Zeit das Leben auf der Farm ausgiebig zu genießen.