Bus

Unser Bus


Kaum, dass wir in Neuseeland angekommen

waren, ging auch schon die Suche nach einem Bus los. Schliesslich war dies die Idee: Kostenminimierung indem wir im Bus schlafen und nicht in teuren Hostels. Doch wie sollten wir am besten anfangen??? Auf unseren Reisen durch Zentral- und Südamerika hatten wir einige Kiwis getroffen, die uns immer wieder dazu rieten einen Toyota Hiace zu kaufen.
Dies sollte ein zuverlässiger Bus zum rumreisen sein. Na also, da hatten wir doch wenigstens einen Anhaltspunkt. Des weiteren wurde uns immer wieder „Trademe“ als Adresse für einen Autokauf ans Herz gelegt. Trademe ist die Neuseeländische Variante vom guten alten eBay. Doch auf den Seiten von Trademe überkam uns das nackte Grauen. Die dort angebotenen Busse kosteten so um die 8000$. Das war definitiv zu viel für

uns. Unser Limit betrug um die 5000$. War also einmal nix…
Als weitere Adresse wurde uns von ein paar Leuten der Backpacker Carmarket in Auckland genannt. Auch im Loneley Planet wurde dieser Ort gelobt und empfohlen. Also nichts wie hin da. Nach einiger Suche (die hatten mittlerweile ihre Adresse geändert) hatten wir den „Markt“ auch gefunden. Es war eine grosse Halle, in der jeder Reisende seinen Bus oder sein Auto unterstellen konnte, in der Hoffnung diesen so schnell wie möglich zu verkaufen.
Man macht sich aber kein Bild davon, was da für Schrottkisten angeboten wurden. Ramponiert bis zum geht nicht mehr und teilweise als „ausgebaut“ angepriesen obwohl nur ein zerfledertes Bett hinten drin war. Doch erstmal positiv denken!! Also habe ich mir einen Bus

für 5000$ angeguckt und kam aus dem Staunen nicht mehr raus: Wie Konnte man für so viel Schrott so viel Geld fordern??? Als ich z.B. auf dem Fahrersitz saß, präsentierte sich mir ein völlig schiefes Lenkrad. Keine Ahnung ob man damit überhaupt noch lenken konnte. Das musste ich Anja zeigen. Also habe ich sie gerufen und versucht das Fenster runterzukurbeln. Bei diesem Versuch ist die Fensterscheibe mal eben ins innere des Autos gefallen. Unglaublich… Also nichts wie weg da, bevor die Schrottkarren beim angucken auseinander fallen. Sollte jemals jemand nach Auckland kommen und dort ein Auto kaufen wollen – bitte nicht dort, die zocken ab ohne Ende. Auch später haben wir echt böse Geschichten über den Laden gehört. Ok, nun standen wir wieder da und überlegten, was wir als nächstes tun könnten. Ganz klar, einfach die

Zeitung aufschlagen und gucken was dort so angeboten wird. Hier fanden wir auch drei Busse, die in unserem Budget lagen und nicht all zu alt waren (16, 17 Jahre gilt hier als nicht zu alt…). Und wir hatten Glück, gleich der erste, den wir angerufen hatten, bat an kurzerhand vorbeizukommen, damit wir uns ein Bild von dem Bus machen konnten. Spitze!
Also nichts wie los zu einer Probefahrt. Und die war echt gut. Der Bus war zwar innen ganz schön ramponiert (etliche Beulen und Löcher von Schrauben), der Motor jedoch klang sehr gut und das Auto lief er wie geschmiert. Ich war überzeugt genug ihm das Ja für den Bus zu geben. Nur Anja war nicht zufrieden. Klar fand sie den Bus für den Preis ok, aber sie plädierte auf eine Durchsicht von einem Fachmann. Also haben wir an der erstbesten Werkstatt angehalten und dort nach einem Check gefragt. Fehlanzeige, die hatten

keine Zeit. Da haben wir uns erinnert, dass der besagte Backpacker Carmarket eine Werkstatt hatte, die jederzeit Autos checken können. Also sind wir da hin und konnten ohne Wartezeit den Bus zur Durchsicht geben. Allerdings kostete uns dieser Spaß mal eben 140$.
Nicht gerade günstig, aber was hatten wir für eine Wah… 40 Minuten mussten wir dann auf das Urteil des Mechanikers warten. Und das Urteil war vernichtend…  Es stellte sich raus, dass ziemlich viel kaputt war. So z.B. der Kühler, das Getriebe, der Tank und weitere Kleinigkeiten. Kostenpunkt für eine umfassende Reparatur: 2500$. Öhhh, nein danke. So hatte diese Aktion sein Gutes und sein Schlechtes. Das gute war, wir wussten was mit dem Auto los ist, das Schlechte war, wir waren wieder einmal erfolglos.

Zugegeben, wir waren ganz schön niedergeschlagen, da uns vor Augen geführt wurde, wie schnell man bei einem Auto in die Kacke greifen kann. Man geht wirklich nur auf Nummer sicher, wenn man das Wunschmobil von einem Fachmann durchsehen lässt. Aber für jeden halbwegs gut aussehenden Bus 100$ oder mehr für einen Check zu bezahlen ist auch nicht Sinn und Zweck der Sache. Spätestens nach 500$ für Durchsichten hätte man schon eine Reparatur bezahlen können.
Also beschlossen wir auch Autohändler mit einzubeziehen. Klar, die nehmen mehr Geld als private Verkäufer, allerdings haben sie eine feste Adresse unter der man sie auch noch nach einigen Monaten erreichen kann. Und das kann schon von Vorteil sein.
Und es war eine gute Entscheidung. Schon der erste Autohändler konnte uns einen

Bus anbieten, der sowohl von Außen als auch von Innen mehr als gut erhalten war. Auch die Testfahrt war richtig gut. Einziges Manko, als wir zurück an der Werkstatt waren hat der Kühler getropft. Innerlich habe ich geflucht. Das kann doch echt nicht wahr sein. Wir haben dann einen auf dicke Lippe gemacht, von wegen „das ist aber ein wunderschöner Bus und wir würden ihn ja nehmen, aber so geht das ja nicht…“. Der Händler hat uns angeboten alles zu reparieren wenn wir den Bus nehmen würden. Ok, gesagt getan, also haben wir zugesagt.
Drei Tage später konnten wir den Bus mit neuem Kühler (zumindest sah er neu aus) abholen und gleich mal durch den Stadtverkehr von Auckland zurück zum Hostel fahren. Tja, nun hatten wir also nach ca. einer Woche Suchen einen Bus. Was nun fehlte war die Inneneinrichtung. Eigentlich war ja die Idee nach Wellington zu den 2 Frauen zu fahren, die wir in Mexiko kennen gelernt hatten. Die hatten jedoch Probleme, so dass wir nicht kommen konnten. Also beschlossen wir erstmal so mit dem Bus rumzureisen. Wird schon irgendwie gehen. Tat es aber nicht. Nach 4 Nächten auf dem blanken Busboden hatten wir beide Rückenschmerzen und Nachts war es ohne ein wenig Isolierung unterm Arsch auch ganz schön kalt. Als Notlösung half uns eine Luftmatratze, die die nächsten Nächte erträglicher machte. Doch Ziel war es, ein vernünftiges Bett zu bauen, dazu noch einen Tisch für den nicht vorhandenen Kocher und Stauraum für unser ganzes Zeugs zu schaffen. All dies konnten wir verwirklichen als wir 5 Wochen auf einer Emu- und Straußenfarm lebten. All unsere Erlebnisse dort an diesem zauberhaften Ort mit wirklich liebenswerten Menschen werden in einem extra Text beschrieben. Bezüglich unseres Busses können wir nur sagen, dass wir mit  der Farm voll ins Schwarze getroffen hatten.

Der Farmer war früher Möbelbauer, hatte also genügend Erfahrung mit Sachen zusammenzimmern. Zudem hat er einige Jahre zuvor 2 Wohnmobile von Grund auf aufgebaut und wusste daher wie man den beschränkt zur Verfügung stehenden Platz am optimalsten ausnutzen kann. Als Bonbon obendrauf hatte er alle nur erdenklichen Werkzeuge die für einen solchen Um- und Ausbau erforderlich waren. Und ich durfte seine Werkstatt uneingeschränkt nutzen!!
All diese Umstände und Fügungen machten es uns möglich in kurzer Zeit den Bus nach unseren Vorstellungen und Wünschen auszubauen. Besser hätte es für uns nicht kommen können!!!!