Norden
Wie ich mit Erschrecken festgestellt habe, handelte der letzte Text tatsächlich über unsere Weihnachtszeit. Mann oh Mann, das liegt ja schon fast 5 Monate zurück… Da wird es ja wirklich höchste Zeit Euch mal wieder auf den aktuellsten Stand der Dinge zu bringen.
Nachdem wir uns schweren Herzens von der ganzen Emu-Familie verabschiedet hatten (und es flossen tatsächlich einige Tränen), ging es weiter Richtung Auckland. Aber nicht irgendwohin auf blauen Dunst, sondern direkt zu Freunden von Raewyn und Rosco, die ganz in der Nähe von Auckland ihr Anwesen haben. Wir hatten Tage zuvor mit ihnen telefoniert und natürlich gab es dort auch Arbeit für uns.
Also gesagt getan - sind wir halt dahin. Und es war wirklich wundervoll. Kaum angekommen, wurden wir auch schon mit Wein und Essen in Empfang genommen. Die beiden (Steve und Glennie) waren wirklich sehr nett. So gegen Mitte 50 und total entspannt. Sie hatten Jahre zuvor ein Restaurant betrieben, was für uns natürlich nur gut war, denn Glennie konnte dementsprechend gut kochen. Steve hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist nun ein ziemlich respektabler Weinhändler. Auch gut für uns, so konnten wir in den Tagen bei ihnen einige viele richtig gute Neuseeländische Weine probieren.
Aber wir haben nicht nur gegessen und getrunken, wir haben auch viel
gearbeitet. Die beiden hatten die wahnwitzige Idee ihren kompletten Garten neu zu gestalten. Unsere Aufgabe bestand darin alles (wirklich alles) platt zu machen. Alle Pflanzen, Sträucher, Büsche raus… Naja, auf jeden Fall einfacher als irgendwas einzupflanzen, man muss nicht im geringsten vorsichtig sein. Immer rein mit dem Spaten, egal ob es die Erde oder die Pflanze trifft, es muss ja sowieso alles raus! ;o) Und nach getaner Arbeit wurde die nächste Weinflasche geöffnet. Wer kann da nein sagen…
Wie auch immer, nach fünf Tagen hat es uns dann weiter gezogen. Auf dem Plan stand ein Besuch bei den beiden Damen die wir Monate zuvor in Mexico getroffen hatten. Wir waren seitdem mit ihnen in Mail-Kontakt geblieben und sie haben uns sofort nach unserer Ankunft hier in Neuseeland zu sich eingeladen. Aber irgendwie hatte es bisher halt noch nicht geklappt. Also sind wir am 31.12. zu ihnen runter nach Wellington gefahren.
Um es vorweg zu nehmen, es war definitiv nicht die beste Entscheidung dorthin zu fahren. Ich glaube es war schon dunkel als wir ankamen, daher haben wir alles (das Haus und alles ringsum) nicht so wichtig wahrgenommen. Das war
vielleicht ganz gut so, denn so hatten wir einen netten Silvesterabend, ohne, dass wir uns über unsere Entscheidung dorthin zu fahren geärgert hätten.
Doch die Ernüchterung folgte am nächsten Tag… Bei Tageslicht kann man nix verbergen und wir sahen zum ersten Mal wie die beiden wirklich leben. Das Haus war vielleicht 40m² groß, was für zwei Personen völlig ausreichend wäre, aber nicht, wenn innen drin alles verkramt und zugemüllt ist. Die beiden hatten von allem viel zu viel. Wozu braucht man im 2-Personen-Haushalt an die 40 Gläser? Stattdessen hätten sie sich lieber mal einen Staubsauger kaufen sollen, denn der Teppich (zumindest denke ich, dass es ein Teppich war) hatte es bitter nötig.
Es war schon ganz schön krass zu sehen wie die beiden dort lebten. Es war nicht eklig dreckig und der alte Müll hat auch nicht vor sich hin gestunken, es war nur einfach zu viel unnötiges Zeugs in dem eh schon kleinen Haus. Man musste ständig über irgendwas hinwegsteigen oder zum hinsetzen irgendwas wegschieben. Ein wirklich großes Manko war die Klotür. Ich bin ja nicht zimperlich und habe in Südamerika gelernt mit wirklich schlechten Klos zu leben, aber wenn ich aufs Klo gehe, dann gehe ich aufs Klo und niemand hat mich dabei zu stören. Doch wie bitte schön soll man sich da entspannen wenn man weiß, dass die Klotür nicht zugeht. Es gab zwar eine Klinke, aber die hat irgendwie nicht funktioniert. Und einen Schlüssel gab es erst recht nicht. Nee, das ist nichts für mich. Auch Anja teilte da meine Meinung. Sie konnte sich noch nicht einmal auf den Klodeckel setzen, so keimig war der. Kein Wunder wenn man Klodeckel für 2$ vom Flohmarkt kauft. Da kann man nicht viel Sauberkeit erwarten…
Alles in allem wollten wir eigentlich am nächsten Tag schon wieder weg. Wäre da nicht mein Versprechen gewesen ihnen beim Umbau eines ihrer Mietshäuser zu helfen. Ja richtig, die beiden haben soweit ich mich erinnere an die 6 oder 7 Häuser (die allerdings eher der Bank gehören). Sie haben die Häuser als Investition gekauft. Aber das rechnet sich nur, wenn man auch was an den Häusern macht und sie nicht verrotten lässt…
So haben wir uns eines ihrer Häuser angeguckt und ich bin echt fast aus den Latschen gekippt. Ich hatte per Mail zugesagt ihnen eine Wand in eine der Wohnungen einzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass das Zimmer, in das die Wand rein soll, noch nicht einmal existiert… Alles was sich mir anbot war eine völlig verkramte und noch mehr zugemüllte Garage. Die sollte zu einem Apartment umgebaut werden und mein Job war es, am Ende der Garage eine Wand zu ziehen, hinter der dann der ganze Müll verschwinden kann. Anstelle alles wegzuwerfen wollten sie es tatsächlich dort unterstellen.
Wie auch immer, mit Anjas Hilfe habe ich innerhalb von 3 oder 4 Tagen eine solide Wand mit Tür aufgebaut und Anja hat dazu noch das ganze "Apartment" gestrichen.
Als wir dann abends meinten, wir würden am nächsten Tag abreisen, waren beide Frauen wenig verwundert. Anscheinend konnten sie sich so was schon denken. Wie blöd muss man sein um unser Unbehagen, dass wir jeden Tag hatten, nicht mitzubekommen?!
Ok, damit war also Wellington für uns beendet. Aber noch nicht ganz, da wir im letzten Moment von Tessa und Stephan (Freunde aus Berlin. Stephan ist ebenfalls für ein Jahr hier unten.) erfahren haben, dass sie mit der Fähre von der Südinsel gegen Nachmittag rübersetzen. Also haben wir beschlossen doch noch einen Tag länger dort zu bleiben. Das kam uns eigentlich auch ganz gelegen, da wir unbedingt in das "Te Papa" wollten. Dabei handelt es sich nicht um einen Swingerclub oder eine Tee-Bar, nein, das Te Papa ist wohl mit eines der schönsten und beeindruckendsten Museen die ich kenne. Um alle Räume, die jeweils ein anderes Thema rund um Neuseeland wiedergeben, sehen zu wollen, braucht man glaube ich bestimmt drei Tage. Es ist so viel und dabei überhaupt nicht langweilig. Ich bezeichne mich ja auch eher als Kulturbanausen, aber dort konnte man durch die Art und Weise der Präsentation der Themen meine
Aufmerksamkeit wecken.
Nachdem wir stundenlang durchs Te Papa geschlendert sind, haben wir uns dann abends noch mit Tessa und Stephan getroffen. Und ich muss sagen, es hat gut getan mal wieder vertraute Gesichter zu sehen. Ich rede mir ja immer ein, dass ich so was nicht brauche, aber es war echt schön mit den beiden einen Kaffee zu schlürfen.
Kaum hatten wir uns von den beiden verabschiedet, standen auch schon die
nächsten Freunde vor der Tür. Freunde für mich, Familie für Anja. Anjas Schwester (Ilka) kam mit Dirk (ihr Freund) zu uns um hier einige Wochen zu verbringen. Insgesamt waren es ca. 4 Wochen, die die Drei nutzten um durch Neuseeland zu reisen. Ich habe mich dabei etwas ausgeklinkt, da mir das nötige Kleingeld fehlte jeden Abend in den doch recht teuren Hostels zu pennen.
Also beschloss ich in Auckland zu bleiben, wo ich bei der Tochter des Farmers und ihrer Familie "Unterschlupf" fand. Christine (so ihr Name) und ihr Göttergatte Scott haben mich echt liebevoll aufgenommen und ihre beiden Kids (Brianna und Alishia) haben mich am Ende fast kaputt gespielt. Ich denke die Kinder waren eine gute und interessante Erfahrung für mich. Schwer zu sagen in welcher Weise, aber zumindest weiß ich, dass ich noch nicht reif bin für eigene Kinder. Unglaublich wie viel Energie und Nerven man aufbringen muss um einen Tag mit einem 3jährigen und einem 1jährigen Kind zu überstehen. Obwohl es am Ende schon wesentlich besser lief und ich auch feststellen konnte, dass Kinder einem ganz schön viel geben können. Und ich habe sogar 'ne Windel gewechselt. Stinkt wie Sau aber man stirbt nicht dran…
Insgesamt war ich gute 4 Wochen bei den Vieren. Und es war eine wirklich schöne
Zeit. Im Gegenzug für Kost und Logis habe ich ein paar Arbeiten im und rund um das Haus erledigt (gepinselt, Bäume beschnitten, Dach repariert, usw.).
Anja hat sich während dieser Zeit köstlich mit ihrer Schwester und Dirk amüsiert, ist rumgereist, hat viel von Neuseeland gesehen und war schlussendlich noch für eine Woche in Australien. Auch gut…
Von Auckland aus ging es dann endlich runter Richtung Südinsel, und was da so alles geschah und wie man mit Schweizern Spaß haben kann, berichtet der nächste Text.