Süden
Auf die Südinsel haben wir uns schon lange gefreut, denn da unten leben 20% aller Einwohner von Neuseeland und dementsprechend ruhig und entspannt ist es dort. Auf dem Weg dahin haben wir uns noch für einen Abend mit Rosco (dem Farmer) getroffen, der gerade von der Südinsel kam. Er hat uns kurzerhand eingesackt und uns mit zu seinem Nudistenclub genommen. Hmm, nackige Menschen
sind überall gleich… Also hat es uns nicht weiter gestört, als wir abends mit seinen Bekannten halbnackt Kaffe und Wein getrunken haben. (Die Moskitos haben sich gefreut…).
Die Überfahrt zur Südinsel ist echt ein Highlight. Die Fähre braucht ca. 4 Stunden, durchquert die Buchten und Fjörde der Marlborough Sounds (ein teil der Südinsel) und mit etwas Glück kann man auch Wale und Delphine sehen. Wir hatten zwar geniales Wetter mit wenig Wind um viel Sonnenschein, aber Wale und Delphine haben wir nicht gesehen.
Angekommen auf der Südinsel haben wir einen Stopp bei einem Fahrradverleiher gemacht, den Anja auf ihrem Trip mit Ilka und Dirk getroffen hatte. Ich war schon seit Wochen auf der Suche nach einem vernünftigen Bike und konnte beim besten Willen nichts finden. Die Auswahl hier in den Geschäften ist schon extrem gut, aber leider alles zu teuer. Ein gutes Rad kostet hier um die 1700$. Das ist zwar umgerechnet in Euro immer noch ein Schnäppchen, aber auch 850 Euro muss man erstmal übrig haben…
Bei dem Bikeverleih hatte Anja echt mitgedacht und einfach mal gefragt ob er die Fahrräder auch verkauft. "Klar doch, er soll mal vorbeikommen und sich die Bikes angucken." war seine Antwort. Gesagt, getan. Wir sind wir also dahin und ich war echt positiv überrascht. Keine ollen Gurken sondern ansehnliche Räder. 400$ war sein Angebot. Der Preis war ok, nur die Auswahl viel schwer. In den nächsten eineinhalb Stunden habe ich viele Bikes ausprobiert um zu sehen wo die Macken liegen. Und tatsächlich, jedes Rad hatte irgendwas locker. Bei einem war es die Schaltung, das andere hatte ne schiefe Gabel usw. Nach einigen Kilometern an Testfahrten hatte ich dann ein richtig gutes ausfindig gemacht.
Bis zum heutigen Tag habe ich einige echt gute Touren unternommen und habe den Kauf nicht im Geringsten bereut. So konnte ich endlich nach gut 8 Monaten wieder mal aufs Rad steigen und bis zur Erschöpfung fahren. Das sind so Kleinigkeiten, die auf einer Weltreise zu kurz kommen und dann zu etwas Einmaligen aufsteigen…
Aber weiter im Text bevor der wieder zu lang wird ;o)
Wo war ich stehen geblieben?? Ach ja, bei unserer Ankunft auf der Südinsel mit den vielen Walen und Delphinen die sich nicht zeigen wollten. Aber anstelle von doofen Meeressäugern haben wir in den ersten Tagen hier ziemlich viele Schafe gesehen. Wir haben uns in den Marlborough Sounds rumgetrieben, was landschaftlich wunderschön ist, aber von den Straßen her ein Debakel!! Lediglich der Beifahrer hatte eine Chance die Natur zu bewundern. Der Fahrer musste aufpassen, dass er wirklich alle von den 1000 Kurven erwischt. Zu den Kurven kam erschwerend dazu, dass fast alle Strassen nur Schotterpisten waren. Dementsprechend kaputt, durchgerüttelt und verstaubt war man nach 20 km (für die man locker 1 Stunde gebraucht hat, da die Kurven hier in einem Winkel von 350º gebaut sind). Egal, die Natur und vor allem auch die Ruhe und Abgeschiedenheit haben alles wieder Gut gemacht.
Nach den Marlborough Sounds sind wir kurz in Nelson gewesen, wo wir Birgit und ihren Mann David besucht haben. Ich war bei meinem ersten Aufenthalt in Neuseeland vor 6 Jahren schon mal bei ihr (da hatte Tessa bei ihr gearbeitet). Einfach mal vorbeigucken und guten Tag sagen war der Plan. Und daraus wurde natürlich mehr als nur ein kurzes Hallo. (Viel viel mehr als nur das…)
Doch bevor wir in Nelson versackten, haben wir uns auf den Weg Richtung Ostküste aufgemacht um dort die Schweizer zu treffen.
Bei den Schweizern handelt es sich um Paolo und Anja. Wir hatten die beiden das erste Mal in Quito (Ecuador) getroffen als wir aus einem Hostel raus sind und sie gerade eingecheckt haben. Die beiden sind auch auf Weltreise und waren im Rahmen dieser Reise natürlich auch in Neuseeland unterwegs. Seit 4 Wochen hatten wir versucht ein Treffen zu organisieren, aber irgendwie hat es nie geklappt. Da Internetcafés hier viel zu teuer sind, hatten die beiden keine
Chance immer schnell zu reagieren und zu sagen wo sie gerade sind. Schlussendlich haben wir mit unserem neuseeländischen Handy SMS in die Schweiz geschickt, damit die Schweizer hier in Neuseeland wissen was los ist. Schon bescheuert, aber was will man machen... Wir wollten die beiden ganz einfach wieder sehen, denn die paar Minuten, die wir uns in Quito gesehen hatten, reichten aus um sagen zu können "das passt". Es war als ob man sich schon ewig kennt. Und so war es auch hier in Neuseeland.
Wir haben uns also auf den Weg nach Kaikoura gemacht und haben die beiden pünktlich zur Mittagszeit begrüßt (und natürlich auch gleich eine Portion Pasta abbekommen). Mit Ihnen reiste Anjas Bruder Raphael, der in der Schweiz als Künstler arbeitet. Total netter Typ, mit dem ich echt nette Gespräche über Pyramiden und Verschwörungstheorien hatte.
In Kaikoura (bekannt für's "Whale watching") waren wir nur einen Tag obwohl wir länger bleiben wollten. Aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es hat geregnet und geregnet. Die Schweizer Weicheier wollten dem Wetter entfliehen und weiter runter Richtung Süden. Für uns hätte das bedeutet, dass wir zurück nach Nelson ewig fahren müssten. Aber nach kurzer Überlegung
haben wir nicht weiter nachgedacht, denn das war die einzige Chance die beiden noch besser kennen zu lernen. Außerdem konnten wir sie nicht wie einen begossenen Pudel im Regen stehen lassen… Also sind wir mit ihnen bis runter nach Christchurch gefahren wo wir uns in einem netten Campingplatz eingemietet haben. Erstmal einen Tag, ok, noch einen zweiten, noch einen dritten, dann ist aber Schluss. Am vierten Tag sind wir dann tatsächlich wieder zurück nach Nelson. Aber die drei zusätzlichen Tage mit den drei Schweizern waren wirklich wunderschön. Wir haben viel gelacht, viel erzählt, noch mehr getrunken und einfach nur Spaß gehabt. Es war echt schade, dass es nur so wenige Tage waren, aber lieber nur ein paar als gar keine!!! An dieser Stelle: Hallo Paolo, hallo Anja, wo auch immer ihr gerade seid (Australien oder Asien), lasst es Euch gut gehen. Wir denken an Euch!
Nachdem wir die drei hinter uns gelassen haben sind wir wieder zurück nach
Nelson - und was soll ich sagen… …da sind wir immer noch (aktuell ist heute der 20.04.). Irgendwie sind wir hier hängen geblieben. Die Stadt ist echt umwerfend schön. Nicht zu klein, nicht zu groß und mit einem unglaublich entspanntem Flair. Eine Stadt zum leben und entspannen!!!
Hier haben wir in erster Line zusammen mit Birgit an der neuen Broschüre für ihr Unternehmen gearbeitet, aber zwischendurch auch noch ein paar andere Sachen gemacht. So haben wir z.B. mit Davids Schwiegersohn einen Klassenausflug in ein Marae (Marai) unternommen. Er ist Lehrer an einem College und unterrichtet die Maorische Sprache. Für den Ausflug ins Marae brauchte er noch Leute die zum einen auf die Kids aufpassen und zum anderen die Busse mit den Kindern fahren. Naja, warum nicht.
Die wenigsten Touris haben jemals die Chance in ein Marae (das ist ein traditionelles Haus der Maoris, wo sich die Stammesältesten treffen um wichtige Dinge zu besprechen) reinzugucken.
Wir hatten das Glück in diesem wunderschönen Haus schlafen zu dürfen, das wirklich gute Essen der Maoris zu genießen und etwas mehr über die Kultur zu lernen. Die Kinder waren auch nett, obwohl sie sich alle in der Pubertät befanden… Und es war wirklich interessant zu sehen wie hier unterrichtet wird. Wir sind mit den Kids raus zum Strand gefahren, wo sich der Lehrer dann vor allen hingestellt hat um was über die Kultur zu erzählen und dann einen Haka (typischer Maori-Kriegstanz) mit den Kerlen zu proben. Nix mit stillsitzen und ober-lauten Lehrern.
lles in allem hatten wir drei lustige Tage in denen wir wieder mehr über die Kultur, über die Teenies und über Neuseeland gelernt haben. Anja hat darüber hinaus noch gelernt, dass man auch hier nicht zu schnell fahren sollte. Sie hat mal wieder den einzigen Blitzer auf der Strecke gefunden und muss nun 80$ zahlen. Hmm, bad luck…
Dann waren wir noch in dem wohl schönsten Teil Neuseelands - im Abel Tasman Park. Dahin sind wir ganz dekadent mit nem Helikopter geflogen und haben einige Tage völlig im Niemandsland in einem wunderschönen Haus ohne Strom verbracht. Über die Strände erzähle ich jetzt lieber nichts, sonst platzt ihr vor neid. Eins sei gesagt, dies ist ein ganz besonderer Ort und wohl so unberührt wie vor hunderten Jahren.
Und da war natürlich noch Anjas Geburtstag am 25.03. Da haben wir es uns nicht nehmen lassen raus zur Golden Bay zu fahren. Dieser Teil hat nicht nur diesen schönen Namen, er hat auch die schönsten Strände und eine unglaubliche Natur. Wir waren bei den "Pupu-Springs", das sind Quellen, wo pro Sekunde 14.000 Liter Grundwasser rauskommen. Das ist das sauberste Wasser der Welt. So sieht's auch aus… Das ganze ist ein kleiner See, bei dem man bis auf den Grund gucken kann, ohne sagen zu können wie tief das eigentlich ist.
Dann waren wir noch beim Farewell Spitt und haben uns den Sand um die Ohren wehen lassen. Das ist so unwirklich da oben (der nördlichste Punkt der Südinsel), da denkt man, man ist in der Wüste oder auf dem Mond. Und natürlich waren wir bei den Robben am Whakatiki Beach. Es ist gerade die Zeit wo die Robben Junge haben und die lassen es sich nicht nehmen, bei Ebbe in den seichten Wasserpfützen zu spielen. Das schöne daran ist, dass sie keine Angst vor Menschen haben und bis auf Handbreite rankommen.
Die ganze Zeit über hatten wir blauen Himmel und Sonnenschein. Für Anja eine ganz neue Erfahrung ihren Geburtstag bei warmem Wetter zu feiern. Und daran könnte man sich gewöhnen…
Ok, ich muss hier zum Schluss kommen. Aber soviel gibt es auch gar nicht mehr zu berichten, da wir wie gesagt seit (kein Ahnung) ca. 1,5 oder 2 Monaten in Nelson sind und zusammen mit Birgit an diversen Projekten arbeiten. Birgit organisiert einen Schüleraustausch zwischen Deutschland und Neuseeland. Dafür braucht sie natürlich auch Broschüren usw. um auf dem deutschen Markt für sich zu werben. Da der alte Krams doch schon ein paar Jahre alt ist, sollte es dieses Jahr eine neue Broschüre geben. Und da konnten wir doch einiges tun. Besonders Anjas Talente als Journalistin waren hier angesagt. Naja, und so eine Broschüre kann ganz schön lange dauern. Mal sehen was als nächstes kommt… Wir halten Euch auf dem Laufenden!!!