Tonga

Tonga


Es war mal wieder soweit, wir haben Urlaub vom Urlaub genommen und sind kurzerhand Mittel Juli nach Tonga geflogen. Genauer gesagt handelt es sich hier um ein Königreich und das ist wirklich ernst zu nehmen. Es gibt da 'nen alten König, der alles bestimmen kann und bei allen finanziellen Angelegenheiten ordentlich mitverdient. Manche nennen ihn hinter vorgehaltener Hand einen Saufbold und Hurenbock, andere vergöttern ihn. Naja, für uns war's lediglich interessant zu sehen, dass es in der heutigen Zeit noch Paläste und Monarchen gibt. Und das so ein System auch noch funktionieren kann.

Schon unsere Ankunft war äußerst interessant und ungewöhnlich. Wir sind abends um ca. 23 Uhr in Nukualofa (so der Name der Hauptstadt) gelandet und wurden von mindestens 1000 Locals empfangen, die in der mehr als kleinen Abfertigungshalle standen. Nicht zu vergessen die zahlreichen Kinder, die in den 3m hohen Zäunen hingen und rumkrakelten… Nachdem wir uns in ein Auto gerettet hatten und uns auf dem Weg zu einem Hotel befanden, haben wir sie dann gesehen - die Männer in Baströckchen… Es waren einige, die in der Nähe zum Flughafen standen und miteinander erzählten. Zwischen ihnen die nicht gerade kleingewachsenen Frauen in ihren ebenfalls schön anzusehenden Bastklamotten. Unser Fahrer hat uns dann aufgeklärt und uns erzählt, dass dies die traditionelle Kleidung ist, die nur zu bestimmten Anlässen getragen wird. Spitze, kaum angekommen und schon konnten wir die seltenen, wirklich traditionellen Klamotten bestaunen. Nur der Grund war weniger Lustig - wir hatten eine Leiche an Bord, die von eben diesen Männern in Röcken in Empfang genommen wurde. Die weiteren 1000 Leute waren wohl alles Bekannte von Bekannten, die den Toten mal gekannt hatten. Willkommen im Insel-Dorf Tonga wo jeder jeden kennt.  ;o)

Nachdem wir erstmal schön ausgeschlafen hatten, ging es dann am nächsten Morgen los zur Stadtrundfahrt. Wir bekamen tatsächlich einen kostenlosen Transport vom Hotel aus in die Stadt. Ein Pärchen aus Auckland (Neuseeland) hatte für ein paar Wochen die Leitung des Hotels übernommen und uns eine Fahrt in die Stadt spendiert. Und nun ratet mal wo Udo und Uschi ursprünglich herkommen??? Aus'm Osten. Und genauer aus dem schönen Sachsen. Na nö, dasch war ne Freude!!! Ihre richtigen Namen sind im übrigen Wolfram und Susanne und sie waren wirklich echt nett. Es hat Spaß gemacht, die Zeit mit ihnen zu verbringen.
Nukualofa ist keine Stadt, in der man sich lange aufhalten will. Zumindest ist sie nichts für unseren Geschmack. Dreckig, zu viele Autos, laut und unruhig. Es ist ein Mix aus wirklich alten Häusern, gewollt neuen Häusern und dazwischen

einige pompöse Paläste. Nicht zu vergessen die Zeichen der letztjährigen Unruhen (abgebrannte Ruinen usw.) die man überall sehen kann.
Es ist schwierig, sich mal entspannt irgendwo auszuruhen, aber nach ein paar Runden durch die Stadt haben wir doch ein paar nette Plätze gefunden. Zum einen war da der doch echt sehenswerte lokale Markt auf dem allerhand Wurzelgemüse verkauft und frische Kokosnüsse angeboten wurden. Und natürlich haben wir auch ein nettes Café gefunden, in dem es tollen Espresso gab (und das Café hatte eine Klimaanlage!!).

Nachdem wir die Stadt eher nicht zu einem unserer Lieblingsziele erkoren hatten, entschlossen wir uns, am nächsten Tag eine Inseltour zu unternehmen. Man bezahlt ca. 10 Euro pro Nase und dann geht’s ab in einem klapprigen Bus zu allen Sehenswürdigkeiten, die die Insel so zu bieten hat. Was man so unter Sehenswürdigkeiten versteht…. Da fällt dann z.B. eine dreiköpfige Palme drunter. Soll wohl die einzige Kokospalme der Welt sein, die in der Krone dreigeteilt ist. Sieht witzig aus und hat drei Mal so viele Kokosnüsse!! Die Tour war echt nett. Nicht nur, weil der Rest der Insel wirklich schön ist, sondern auch, weil wir mit einem alten Engländer unterwegs waren, der seit zu langer Zeit dort lebt und daher schon ganz schön einen am Hut hat. Mit seinem trockenen und unverkennbar englischen Humor hat er zu allem, was wir gesehen haben (und sei es ein humpelnder Hund), seinen Kommentar abgelassen. Mich hat es manchmal 5 Minuten gekostet, bevor ich den "Witz" verstanden habe… Komischer Kauz.
Während der Tour haben wir einige bizarre Dinge sehen können, die in unserer westlichen Welt wohl undenkbar wären. Schweine, die anderer Leute Vorgärten umgraben und am Strand im Seetang nach Essen suchen, Gräber die mit leeren Bierflaschen anstelle von Blumen geschmückt sind und Locals, die am Strand mal

eben ein Schwein geschlachtet haben und es über einem Feuerchen brutzeln ließen. Da haben wir wohl registriert, dass wir uns mal wieder in einem ganz anderen Land und einer anderen Kultur befinden…
Wie auch immer, nachdem wir Schweine, Blowholes, dreiköpfige Palmen und riesige Flughunde gesehen hatten, haben wir unseren Flug zur nächsten Insel gebucht. Ziel war Vava'u, eine der vielen tonganischen Inseln. Vava'u liegt ca. 400km nördlich von Tongatapu (das ist die Hauptinsel mit den vielen Schweinen) und ist in etwa 1,5 Flugstunden zu erreichen. Der Flug dahin war unbeschreiblich und stellt alle Flüge, die ich bisher unternommen hatte, in den Schatten. Man überfliegt Hapai (eine weitere Inselkette Tongas) und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Unter einem erstrecken sich Atolle von ungeahnter Schönheit. Türkises, dunkelblaues und kristallklares Wasser umspülen kleine Inseln mit weißen Stränden und Palmenwäldern. Zwischendurch kann man dann noch den einen oder anderen Buckelwal sehen. Erst, wenn einem der eigene Sabber auf die Hose tropft, kommt man wieder zu sich und stellt fest, dass es kein Traum ist.

Unglaublich….
Auf Vava'u angekommen, stellte sich sofort Urlaubsfeeling ein. Die Insel ist wesentlich weniger besiedelt, was sie um einiges ruhiger und angenehmer macht. Die größte Stadt besteht aus einer Hauptstrasse von ca. 600m Länge, an der man alles findet, was man zum Leben braucht. Naja, nicht wirklich alles, aber wenigstens das Nötigste, um zu überleben.
Empfangen wurden wir von Gisela, einer Deutschen, die sich vor 20 Jahren auf Vava'u niedergelassen hat. (Die Deutschen sind echt überall…..) Zusammen mit Matakaiongo, ihrem Ehemann, hat sie vier kleine Häuschen direkt am Meer, die sie an Leute wie uns vermietet. Im Gegensatz zu großen Ressorts bezahlt man bei ihr einen kleinen Preis und bekommt dafür ein großes Angebot. Unsere Hütte war echt toll und wir hatten sogar eine richtige Dusche nur für uns!

Als erstes sind wir gleich mal in den großen Ozean gesprungen um festzustellen, dass man ca. einen Kilometer rausgehen kann und nicht tiefer als brusthoch im Wasser steht. Perfekte Bedingungen zum Schnorcheln. Und was für Bedingungen… Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Man konnte echt auf den Gedanken kommen, dass Nemo tatsächlich irgendwo hier lebt. Bunte Fische, wohin das Auge reicht, dazu noch einige schöne Muscheln und riesige Klappmuscheln. Da macht das Schnorcheln echt Laune und man kann spielend die Zeit dabei vergessen.
Wofür Tonga weltweit bekannt ist und was wir uns nicht entgehen lassen wollten, war eine Bootsfahrt rund um die Inseln, um auf Walsuche zu gehen. Und man glaubt es gar nicht, man musste noch nicht einmal suchen. Nach ca. 20 Minuten hatten wir schon den ersten Wal neben unserem Boot und dann den Nächsten und so weiter. Am Ende hatten wir bestimmt 20 verschiedene Wale sehen können und jeder hatte seine eigenen Macken. Der eine hat bestimmt 5 Minuten mit seiner Schwanzflosse auf's Wasser geklatscht, der andere hat mit seiner Seitenflosse "gewunken" und wieder andere sind schön gesprungen. So gehört sich

das, als ob sie gewusst hätten, dass es mein Geburtstag war!!! Der beste Wal war allerdings der, der ca. 20m vor unserem Boot komplett aus dem Wasser herausgesprungen ist, um der Länge nach wieder reinzuklatschen. Ist schon beeindruckend, wenn so ein 16m langes Urtier mit seinen 30 Tonnen senkrecht in der Luft steht. Leider vergisst man dabei alles, also auch das fotografieren…. Nicht schlecht waren aber auch die beiden Kolosse, die direkt neben unserem Boot (und das waren nur 5m) aufgetaucht sind, um dann unter unserem Boot durchzutauchen. Da kommt man sich echt klein vor.
Damit aber nicht genug. Ich wollte mich

so richtig klein und nichtig fühlen und bin noch mal mit einem Boot rausgefahren, um mit den Walen zu schwimmen. Ich hatte Glück und wir haben ein paar faule Wale gefunden, die einfach nur so dahingedümpelt sind. Rein ins Wasser, Maske auf, Flossen angezogen und ab geht’s. Ich glaube, meine ersten Worte waren "Ach du Scheiße". Man kann sich echt nicht vorstellen, wie groß die Tiere tatsächlich sind. Wir konnten bis auf 10m ran und neben ihnen her schwimmen. Wenn man dann in die tellergroßen Augen sieht, vergisst man alles rings um sich rum. Es ist, als ob man mit einem Seelenverwandten schwimmt. Die Tiere sind einfach nur unglaublich. War wirklich ein einmaliges Erlebnis, das ich jedem empfehlen würde!!!
Auf Vava'u durften wir dann noch den Goveneur bedienen, da er bei Gisela zum Essen vorbei kam, dann hatten wir noch unglaubliche Tage an wunderschönen Stränden und waren in einem Lokalrestaurant, wo wir das Glück hatten, die Schulkinder beim Tanzen bestaunen zu können.
Von den Walen ging es dann wieder zurück nach Tongatapu und von dort aus fast nahtlos weiter nach Samoa. Davon erzählt dann der nächste Text!!!