08.2006
Nicaragua
ja, was weiss man eigentlich über Nicaragua. Das einzige was bei mir hängen
geblieben ist, ist der Spruch aus meiner Schulzeit "In Nicaragua verhungern die Kinder". Naja, vielleicht etwas übertrieben in der sozialistischen Schule... Hier gibt es zwar Armut und bestimmt auch ein paar hungrige Kinder, aber verhungern tut hier längst keiner mehr. Die Armut ist sichtbar, aber nicht dominierend! Die Natur in Nicaragua ist wie in allen anderen Ländern Mittelamerikas: viele Palmen, riesige Bananenpflanzen, Avocadobäume, Maisfelder usw. Die Menschen sind hingegen nicht ganz so freundlich und offen wie wir es z.B. in Guatemala erlebt haben. Aber dafür ist es ja auch ein anderes Land mit anderen Sitten. Erschrocken haben uns hingegen die hohen Preise hier. Teilweise ist uns echt die Luft weggeblieben. Für eine Übernachtung haben wir hier fast das doppelte gezahlt wie in Guatemala. Hätte ich nicht vermutet...
In Nicaragua waren wir zuerst in Granada, einer sehr alten Stadt mit wirklich schönen Kolonialbauten die sehr gut erhalten geblieben sind. Überall in der Stadt wimmelt es von Leben und zwischen Mopeds und dröhnenden Autos fahren Pferdekutschen entlang, die hier als Taxi fungieren. Schade nur, dass man den Pferden absolut hässliche Schleifen in die Mähne geflochten hatte - das hat den Tieren den ganzen Stolz genommen. So sahen sie einfach nur albern aus ;o) Auch gab es in der Stadt die grösste Baustelle die ich bisher in Zentralamerika gesehen hatte. Ein ganzer Strassenzug wurde erneuert. Dazu standen dort ca. 300 Bauarbeiter rum, von denen ca. 20 gearbeitet haben. War echt nett anzuschauen...
Des weiteren haben wir den Lago Nicaragua besichtigt (Granda liegt direkt an diesem See), aber ausser stinkendem Wasser, toten Fischen, Fröschen und Schlangen haben wir nichts entdecken können. Total unspektakulär dieser See. Ein weiteres Problem in Granda war die Stromversorgung. Schon in der Nacht ist ab um 2 der Strom weggewesen, wodurch die ganze Stadt stockduster war. Das
schlimme war allerdings, dass dadurch auch unser Lüfter im Zimmer nicht mehr ging und wir in unserem eigenen Schweiss schwammen. Hmm, lecker... Auch am nächsten Tag gab es fast nie Strom, wodurch man weder heissen noch richtig kalten Kaffe bekam, sondern nur noch warmes Bier. Unser zweiter Stopp befand sich auf Isla Ometepe, einer Insel mitten im Lago Nicaragua (der See ist wirklich riesengross). Auf Ometepe befinden sich zwei Vulkane, einer ist aktiv, der andere hat einen grossen Vulkansee im inneren. Um zu der Insel zu gelangen mussten wir eine Fähre nutzen, die wir rechtzeitig beim einsetzen eines Platzregens erreichten. Also nur schnell Rucksäcke abgeworfen und unter Deck. Dort allerdings wimmelte es von Moskitos (es ist feucht und warm, also ideal für die Biester), weshalb wir bei den ersten Sonnenstrahlen wieder raus an die Reling flüchteten. Bei allem hatten wir unsere Rucksäcke voll vergessen und mussten nach 1,5h Fahrzeit feststellen, dass sie in zwei schönen grossen Pfützen lagen. Dementsprechend durchgeweicht war alles. Und es roch alles erbärmlich nach Fisch... Als Übernachtungsdomizil wählten wir Playa Charco Verde. Allerdings war auch hier nicht viel mit Playa, da der See hier ebenfalls nur braun war. Dafür gab es von
aus nette Touren die man unternehmen konnte. So wanderten wir an einem Tag zu einer Lagune und einem Aussichtspunkt mit Namen "Mirador del Diablo". Der Aufstieg zum Mirador war in der Tat diabolisch. Wir haben uns da wirklich bei 40 Grad hochgequält. Aber es hat sich gelohnt, die Aussicht war fantastisch! Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zum Wasservulkan unternommen. Tourstart war mal wieder 6.30 Uhr. Es gab Frühstück für alle Teilnehmer, nur nicht für uns. Wir hatten vergessen am Abend zuvor uns jeweils ein Frühstück zu bestellen. Hmm, also ohne Frühstück los zu einem 7 Stunden-Fussmarsch... Der Aufstieg beim Vulkan dauerte geschlagene 3,5 Stunden. Und der Aufstieg war nicht ohne. Zum einen hatten wir wunderschönes Wetter mit ca. 30 Grad, zum anderen sind wir da hochgegangen, wo noch am Abend zuvor das Regenwasser runtergeschossen ist. es gab keine Wege, sondern nur eben diesen Wasserlauf. Dementsprechend matschig war das ganze Unterfangen. Schon nach ca. 30 Minuten standen wir knöcheltief im Matsch und sind eher gerutscht als gegangen. Am Ende des Aufstiegs hat uns dann jedoch ein wundervoller See erwartet an dem wir eine halbe Stunde rasten konnten. Dann ging es jedoch mit vollem Schwung wieder runter. Und das war noch schwieriger
als der Aufstieg, da man ein nicht zu verachtendes Gefälle hatte und wenn man einmal rutsch, rutscht man eine ganze weile weiter, bis einen ein Baum oder irgendwelche Äste bremsten. Es gab nicht wenige Leute, die keine Schrammen oder Beulen am Schluss hatten ;o)
Ohne Pause ging es auch am nächsten Morgen weiter nach San Juan del Sur, einem kleinem Ort an der Pazifikküste. Klein heisst allerdings nicht, dass es hier nicht touristisch erschlossen ist. Es war schon ganz schön ersichtlich, dass Touristen hier die Haupteinnahmequelle sind. Viele Hotels und noch mehr Bars... Der Strand war auch nicht so unser Ding, da es viel zu viele Boote gab, die am Strand schaukelten und mit ihren alten Motoren das Wasser verpesteten. Also haben wir uns umgeschaut, was man sonst noch so ohne Wasser machen kann und eine tolle Canopy-Tour gefunden. Canopy ist sowas, wo man an ein Stahlseil angeklickt wird und dann in luftiger Höhe über den Bäumen hinwegschiesst. Absolut tolles Gefühl, wenn man dabei noch die Affen um sich herum beobachten kann und knapp an Tucan-Voegeln vorbeischlingert. Streckenweise waren die Seile bis zu 500m lang und man bekam ein Höllentempo drauf. Gebremst wurde lediglich mit der Hand - natürlich hatte man einen dementsprechenden Handschuh an...
Auf jeden Fall ein Riesenspass den man sich nicht entgehen lassen sollte. Das war es dann auch schon mit Nicaragua, denn danach ging es nahtlos weiter nach Costa Rica.