Kolumbien

09.2006

Kolumbien


Kolumbien - das weisse Land, in dem alles möglich ist...
Von Panama aus sind wir, wie schon geschrieben, mit dem Boot nach Kolumbien gefahren. Nach fast 28h Segeln nonstop haben wir den Hafen von Cartagena erreicht. Hier kommen eigentlich alle Backpacker an, die den Weg per Boot nach Kolumbien angetreten haben. Von daher dachten wir, dass die offizielle Einreise, also das Abstempeln des Passes, kein Problem sein sollte.

Fehlanzeige... Wir haben am Hafen unsere Pässe einem "Zwischenhändler" gegeben, der sie für uns zur Einwanderungsbehörde schaffen sollte. Nach Aussage des Typen sollte es kein Problem darstellen und auch nicht lange dauern (so ein oder zwei Stunden). Diese Zeit haben wir genutzt um erstmal Geld zu holen um unseren Bootstrip zu bezahlen. Für ca. 1 Stunde war ich dabei tatsächlich ein Millionär. Insgesamt habe ich 1,1 Mio Pesos von der Bank geholt - nicht schlecht!!! Als wir dann zur vereinbarten Zeit wieder am Hafen waren, war von unseren Pässen keine Spur. Erst ca. 4 Stunden später tauchten drei Typen mit unseren Pässen auf, um zu sehen ob wir tatsächlich die aus den Pässen sind. Dann sind sie aber auch gleich wieder abgedüst, da wohl ihre Stempelmaschine kaputt war und sie nun am Flughafen einen Stempel in den Pass hauen müssen. Eine Stunde später wollten sie wieder zurück sein. Nach geschlagenen 5 Stunden haben wir das

warten aufgegeben und sind ohne unsere Pässe weiter in ein Hostel. Kein gutes Gefühl, seinen Pass bei irgendwelchen Leuten zu lassen. Erst am nächsten Morgen hat uns unser Captain die Pässe bringen können. Ein netter Empfang in Kolumbien - doch was Zuverlässigkeit und Zeitgenauigkeit angeht, da sollten wir noch ganz andere Sachen erleben...
Unserer erster Stopp war also Cartagena, eine Stadt, die viele Gesichter hat. So gibt es eine wunderschöne Altstadt mit riesigen alten Kolonialbauten, eine Neustadt, die sehr auf Tourismus ausgelegt ist, ein Finanzviertel und ein Hotelstreifen am Strand. Wir haben allerdings in dem eher nicht so tollen Armutsviertel der Stadt gewohnt. Da kommt es schon mal vor, dass sie einem Koks auf der Strasse verkaufen oder ihre Frauen anbieten. Aber mit ein wenig Verstand lassen sich auch hier Gefahren umgehen. Die Leute selbst waren teilweise freundlich, aber vielmehr waren sie sehr chaotisch. Das heisst, es macht z.B. keinen Sinn sich in einer Schlange anzustellen, da sowieso alle vordrängeln oder einen zur Seite stossen. Sie haben kein Gefühl für Regeln oder Anstand in unserem Sinne. Mir persönlich hat es teilweise

gefallen, wie egal den Leuten hier alles ist. Es ist halt definitiv ein anderes Lebensgefühl hier als in Europa. Von Cartagena haben wir einen Ausflug zu einem Vulkan unternommen, der weder Feuer noch Wasser in sich hatte, sondern er war gefüllt mit zähflüssigem Matsch. Da konnte man sich dann, bekleidet mit einer Schwimmhose, reinlegen. Ein unglaubliches Gefühl! Man war quasi schwerelos in diesem Matsch. Man konnte den Grund nicht erfühlen, aber das war auch gar nicht notwendig, da man eh nicht untergegangen ist. Egal was man auch für Anstalten gemacht hat, man ist einfach in diesem Matsch umhergeglitten wie ein Aal. Dementsprechend sah man danach auch aus. Matschgrau von oben bis unten (das Zeug hielt sich gut und gerne 4 Wochen in meinen Ohren fest...). Zum Abspülen ging es rein in den Fluss bzw. kurze Zeit später in das Meer. Unser nächster Anlaufpunkt war dann Medellin. Von dieser Stadt war ich mehr als

beeindruckt. Sie war das absolute Gegenteil von Cartagena, nämlich sehr sehr sauber und durchorganisiert. Es gibt hier eine Metro, die wesentlich sauberer ist als so manche U-Bahn in Deutschland. Insgesamt machte die Stadt eher einen amerikanischen oder europäischen Eindruck als einen südamerikanischen. In Medellin haben wir es uns nicht nehmen lassen Paragliding auszuprobieren. Da die Stadt ringsum von Bergen umgeben ist, ist Paragliding hier sehr populär (und günstig). Geflogen wurde als Tandem, das heisst ein "Pilot" und jeweils eine Person unter ihm eingehängt. Es war unglaublich... Wir sind ca. 40 Min in der Luft umhergekreist, und Bäumen vorbei und die Berge entlang. Die Flugtypen waren echt gut drauf und haben einige scharfe Kurven hingelegt, wo sich die Mägen selbst auch einmal drehen. Medellin ist aber nicht nur bekannt für sein Paragliding, sondern auch für Boterro. Das ist der Typ, der alles dick und fett darstellt. Im Zentrum der Stadt findet man etliche Boterostatuen aus Bronze, die fette Tiere oder Menschen darstellen. Da ich nicht so der Kunstliebhaber bin, haben wir uns das

komplette Boteromuseum gespart. Stattdessen waren wir in der Stadt unterwegs und haben lokale Köstlichkeiten probiert. Als nächstes ging es weiter nach Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens. Der erste Eindruck der Stadt war sehr enttäuschend. Wir sind mit einem Taxi zu unserem Hotel gefahren und haben dabei recht viel von der Stadt sehen können. Die Hauptstrassen sind völlig in Ordnung, doch wehe man guckt nach links und rechts in die Seitenstrassen. Hier gibt es nur Dreck und Staub und sehr viel Armut. Der Stadtteil in dem wir übernachtet haben war allerdings sehr schön, da es das Univiertel war und dementsprechend viele Cafés und nette Läden in der Nähe waren. Grössere Ausflüge haben wir von Bogota aus nicht unternommen. Allerdings haben wir hier tatsächlich das Haus mit der Privatsammlung von Botero besucht. unglaublich wie reich der Typ sein muss. Ich habe noch nie so viele Picassos und Monèts auf einem Haufen gesehen. Des weiteren waren wir am Wochenende auf einem Berg am Rand der Stadt, von dem man aus die gesamte Stadt überblicken kann. Erst hierbei wird einem die Größe der Stadt endgültig bewusst. Der Nachteil an unserer Bergwanderung war, dass es Wochenende war und ca. 20.000 andere Touris und Locals die gleiche Idee hatten. Dementsprechend voll waren die kleinen Wege bis hoch zur Spitze. Interessant dabei war, dass die Locals eher die Seilbahn bis zum Gipfel bevorzugen und dann absteigen, während wir es umgekehrt mehr als Herausforderung empfanden. Von Bogota ging es weiter Richtung Süden nach San Augustin, einem verschlafenen Kaff inmitten von wirklich beeindruckender Natur. Was die Natur angeht, so ist für mich, Kolumbien ein absolutes Traumland. Man findet hier so viel unberührte Natur und mit ein bisschen Glück auch den entsprechenden Guide, der einem diese Natur zeigt. Wir haben so einen gefunden und sind per Pferd stundenlang durch die Natur geritten. Dabei haben wir nicht nur extrem tiefe Schluchten sehen können, sondern auch die überall rumstehenden alten Steinfiguren. Keine Ahnung aus welcher Kultur genau diese stammen, aber es war schon beeindruckend solche alten Relikte sehen zu können, gerade weil einige tatsächlich noch die Originalfarben drauf hatten. Unser Guide hat uns auch die Pflanzen gezeigt, aus denen die Farben gewonnen wurden - und in der Tat, die Farben sind sehr beständig, das Rot hängt noch heute in meiner Hose... Der gleiche Guide hat uns auch abends noch in seine Hütte zu einem Koka-Tee eingeladen um uns der kolumbianischen Kultur und Lebensweise näher zu

bringen  ;o) Der Tee hat keine berauschende Wirkung, ist aber sehr gut für den Magen und allgemein für die Gesundheit. Vielleicht hat er uns aber doch berauscht, denn kurze Zeit später haben wir für eine Tour zugesagt, die ich im Leben nie wieder machen würde. Und zwar sollte es in den Süden Richtung Amazonas runtergehen, wo wir im Jungle sehen sollten, wie man Kokain herstellt. Natürlich nicht legal.... Gesagt, getan! Am nächsten Morgen ging es ab Richtung Mocoa. Auf dem Weg dorthin hatten wir dann einige Problem mit dem Militär, da wir nur die Kopien unserer Reisepässe mithatten (zur Sicherheit vor einem Diebstahl). Das hat den Typen nicht ausgereicht und so haben sie uns auf einen Transporter verfrachtet und zur Militärstation in die Stadt gebracht. Die Locals haben sich wohl ihren Teil gedacht, als sie uns zwei da auf der Ladefläche haben sitzen sehen, uns gegenüber immer ein Typ mit Maschinengewehr. Zugegeben, lustig war es nicht gerade. Was uns aus dieser Situation gerettet hat, waren unsere ordinären Studentenausweise, die ich vergessen hatte auszupacken. So

wir nach ca. eineinhalb Stunden weiter. Irgendwann spät abends waren wir dann in einem Dorf, wo es ausser uns wohl keine weiteren Touris gab. Am nächsten Morgen ging es nochmals einige Kilometer entlang auf nicht vorhandenen Strassen, bis wir im Niemandsland auf einmal ausgestiegen sind. Hier hat uns dann ein Local begrüsst und ab ging es Richtung Urwald - allerdings ohne Schuhe, da der Weg zur Koks-Hütte gesäumt war mit kniehohem Matsch und Schlamm. Es war wie in einem schlechten Film. Erst ging es einige Zeit durch scheinbar undurchquerbares Unterholz und auf einmal standen wir auf einer Lichtung, vor uns eine kleine Hütte in der das Koks hergestellt werden sollte. Insgesamt haben wir in dieser Hütte ungefähr 7 bis 8 Stunden verbracht und konnten in dieser Zeit tatsächlich sehen wie man aus Kokapflanzen und jeder Menge Chemie Kokain herstellen kann. Was die Chemie angeht, so ist es unglaublich was da in diesem weissen Pulver drin ist... Als erstes wird Zement zugefügt, dann Pflanzendünger, dann wird alles in Benzin eingeweicht um die Inhaltsstoffe rauszubekommen, dann kommt noch purer Essig hinzu und jede Menge Soda. Kein Wunder, dass das Zeugs ungesund ist... So interessant der Herstellungsprozess auch war, die Situation an sich war mehr als unangenehm. Mir war eher nicht wohl zu Mute, da ich wusste, ringsum sind Guerillas, Militär und Polizei. Und nach dem neuen Gesetz hier in Kolumbien wird jeder, der mit Kokain zu tun hat, lebenslänglich eingesperrt. Ich denke nicht, dass die da bei zwei Touris eine Ausnahme machen... Hinzu kam, dass die Typen, denen wir zugeguckt haben, selbst sehr nervös waren und bei jedem Geräusch die Arbeit eingestellt haben. Dadurch wurde ich nur noch nervöser.. Anja hingegen war sehr gelassen - wer weiss, vielleicht hat sie zu viel Benzin während der ganzen Zeit geschnuppert.


Insgesamt war es eine interessante Erfahrung. Einerseits ist Kokain hier so normal wie bei uns Kaffee und die Leute müssen teilweise das Zeugs anbauen bzw. herstellen um einfach überleben zu können. Sie verdienen noch nicht einmal viel dabei, da sie das Zeugs für andere produzieren, sie tragen "lediglich" (und das ist das traurige) das ganze Risiko. Andererseits weiss ich heute, dass es bessere Sachen im Leben gibt, für die es sich lohnt ein Risiko einzugehen... Fazit: So hatten wir doch einen netten überblick über Kolumbien, dem ach so gefährlichen Land, bekommen. Armut, moderne Städte und das weisse Gold. Ich persönlich würde Kolumbien jedem Reisenden empfehlen, da die Leute wirklich nett und interessiert sind, die Natur unschlagbar schön und die Möglichkeiten hier unbegrenzt sind. Was man jedoch wissen muss, ist, dass hier nichts garantiert ist. Egal ob man mit dem Bus fährt oder nach dem Weg fragt, auf die Antworten sollte man nicht all zu viel geben. So hatten wir z.B. keinen Bus, der auch nur annähernd seine angegebene Fahrzeit eingehalten hat (leider verschob sich die Fahrtzeit immer nach hinten raus...). Aber auch daran gewöhnt man sich  ;o)
Ach ja, und wenn man als Mann darauf steht von anderen Männern angefasst zu werden, ist man hier auch richtig, da es hier etliche Polizeikontrollen gibt, wo man garantiert jedes Mal von oben bis unten abgetastet wird. Und einige nehmen es damit sehr genau...