09.2006
Ecuador
Ecuador - wir springen von der Nord- zur Südhalbkugel! Von Kolumbien ging es schnurstracks weiter nach Ecuador, wo uns schon zu beginn die gleichen Probleme begrüssten wie auch schon in den anderen Ländern - Zeitangaben sind relativ... An der Grenze waren wir überrascht, wie relativ schnell alles von statten ging (die Behörden brauchten lediglich eine Stunde um fünf Leute abzufertigen). Doch in Tulcan (der ersten Stadt von Equador) war schon wieder alles beim alten. Als erstes rissen sich die Busfahrer um uns, und das ist wörtlich zu nehmen. Einer
zog an meinem rechten Arm, der andere am linken. Und natürlich hatte jeder den besseren Preis. Erst als ich laut wurde haben sie losgelassen. Wie haben uns für den Bus entschieden, der eigentlich sofort fahren sollte. Aus sofort wurde eine ganze Stunde (in dieser Zeit konnten wir leckere frittierte Bananen mit Käse probieren). Auch die Fahrtzeit nach Quito, die nach Angaben des Fahrers vier Stunden dauern sollte, verlängerte sich um eineinhalb, da der Bus überall und für jeden gehalten hat. Das war das erste Mal, dass wir erleben konnten, wie sich sogar die Locals darüber aufregten. In Lima angekommen sind wir in ein Taxi, das uns zum Hostel bringen sollte. Auch hier war der Fahrer alles andere als ehrlich. Er meinte, es sei eine Strecke von mindestens 20 Minuten und kostet deshalb mehr. In Wirklichkeit war es eine Fahrt von 7 Minuten - bezahlt haben wir trotzdem nicht weniger... Aber egal, so ist es halt als Tourist in einem fremden Land. Für viele Einheimische sind wir
ganz einfach die stinkreichen, die sich ein Flugticket leisten können. Und da kann man es ihnen nicht verdenken, dass sie versuchen daraus Profit zu schlagen. Quito hat uns sehr positiv überrascht. Die Stadt ist einen Besuch wert und lädt ein, länger zu bleiben. Es gibt jede Menge netter Cafés und auch sonst viel zu sehen (auch hier gibt es eine wirklich schöne Altstadt). Da wir uns schon lange nichts mehr gegönnt haben, haben wir den nächsten Morgen genutzt um mal wieder richtig schön Frühstücken gehen zu können. Und was die hier für ein Frühstück präsentieren... Es gab Bagel, Eierkuchen mit allerlei drauf, Omelette, Früchtesalat, Kaffee usw. Es ist doch schön, sich ab und zu etwas schönes zu gönnen. Da ist es egal wo man gerade ist. Von Quito aus haben wir dann eine Tour Richtung Amazonasbecken gestartet. Und diese Tour war echt atemberaubend. Als erstes ging es nach Lago Agrio, eine Stadt, die Ausgangspunkt für sämtliche Touren ist. Auch für uns war hier der Startpunkt. Mit einem Pickup ging es dann drei oder vier Stunden über Holperstraßen zu einer Brücke, an der die Grenze zum Amazonasgebiet anfängt. Hier wurden wir schon von einem Einbaumboot (das ist ein Boot, das tatsächlich nur aus einem Stamm gebaut wird. über etliche
kleinere und grössere Kanäle ging es dann innerhalb von drei Stunden zu unserer Loge, die sich im Herzen des Amazonas befand. Unglaublich, was sich hier für ein Luxus für uns bot. Nachdem man uns im Touroffice darauf hingewiesen hat, dass die Camps nur eine untere Ausstattung haben, hatten wir schon das schlimmste befürchtet, aber auf keinen Fall mit sehr schönen Holzhütten, in denen es sogar private Badezimmer erwarteten. So etwas haben wir selbst bei so einigen Hotels nicht... Von daher waren wir natürlich bester Dinge und unsere Laune wurde noch besser als wir das Abendmenü genossen. Es wurde aufgetischt was die Küche so hergab. Und das blieb auch die restlichen vier Tage so. Am gleichen Abend starteten wir unseren ersten Ausflug - Sonnenuntergang im Amazonas. Ok, die Sonne sieht schon aus wie immer, aber die Umgebung und die Farben haben es echt einmalig gemacht. ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man realisiert wo man sich tatsächlich gerade befindet. Als es dann dunkel war ging es mit dem Boot
zurück zur Loge. Auf dem Weg dahin haben wir versucht mit Hilfe von Taschenlampen Kaimane (sowas wie Krokodile, keine Ahnung was da wirklich der Unterschied ist, für mich sehen die gleich aus) ausfindig zu machen. Mit Hilfe der Taschenlampen kann man die Kaimana finden, da ihre Augen verräterisch rot leuchten. Und wir haben ein paar gesehen. Allerdings waren die schon immer weg wenn das Boot rankam. Jeden einzelnen Tag aufzuzählen währe hier zuviel, soviel haben wir gesehen und erlebt. Hier die Highlights: Natürlich die erste Nacht, die für uns beide unvergesslich war. Man schläft zu Geräuschen ein, die man sonst nur aus dem Zoo kennt und wacht morgens dadurch auf, dass über einem irgendwelche Vögel rumkreischen (da kann man gar nicht weiterschlafen, selbst wenn man will). Dann haben wir sechs verschiedene Affenarten gesehen, darunter die kleinsten Affen der Welt, die gerade einmal 15cm gross werden können und
150g wiegen. Dann haben wir noch eine Nachtwanderung unternommen, wobei man den Jungle neu entdecken kann, da es zur Nachtzeit eine komplett andere Welt ist. Zusammen mit einer 74-jährigen Einheimischen haben wir Brot aus Ycca/Maniok gebacken und uns dann einen Weg durch den scheinbar undurchquerbaren Jungle geschlagen. Das heisst die "alte" Frau hat den Weg mit ihrer Machete freigeschlagen. Und was sie für einen Schlag hatte... Von ihr möchte ich keine gelangt bekommen. Für eine Frau ihres Alters war sie extrem fit und dazu noch sehr intelligent, denn sie konnte uns während der Tour etliche Pflanzen zeigen und ihre heilsamen Wirkungen erklären. So haben wir eine Pflanze gegessen von der man weisse Zähne bekommen soll (da frage ich mich doch warum die hier alle so schlechte Zähne haben), dann haben wir etwas Rinde gekaut von der der Mund taub wird. Ich habe noch ein paar Ameisen gegessen, die nach Limone schmecken sollten. Hmm, geschmeckt habe ich keine Limone, dafür hatte ich Ameisen zwischen den Zähnen. Im Camp hatten wir Abends regelmässig Besuch von Tarantulas, die weniger gefährlich sind wie man immer glaubt. Nur wenn man ihre Haare in die Augen oder Nase bekommt wird es schlimm. Aber sie beeindrucken halt schon durch ihr Grösse. Sie sind so gross wie ein Handteller und können verdammt schnell krabbeln. Ich fand sie echt beeindruckend, Anja hingegen nicht so. Es ist schon toll wenn man Abends beisammensitzt und auf einmal bemerkt man im Augenwinkel etwas rumkrabbeln und sieht dann eine 10-15cm grosse Tarantula neben sich. Des weiteren haben wir noch jede Menge Vögel sehen können, darunter meine geliebten Tucane (3 verschiedene Arten) und natürlich die majestätischen Aras, die in freier Natur tausendmal schöner sind als die, die man in Gefangenschaft sehen kann. Ach ja, nicht zu vergessen die Pink-Dolphins, die
nur im Amazonas leben. Die sind tatsächlich Pink, allerdings nur am Bauch, also recht schwer zu sehen. Dann fibt es in diesen Flüssen nicht nur Delphine, sondern auch Stachelrochen. Als ich das gehört habe, habe ich es nicht glauben wollen, doch wir haben tatsächlich welche neben unserem Boot gesehen. Neben unserem Boot hatten wir aber auch noch jede Menge riesige Fische (die werden bis zu vier Meter lang), die immer wieder rumgesprungen sind. Und Piranhas gab es auch. Wir
haben versucht welche zu angeln, doch nur einer aus unserer Gruppe hatte das Glück einen zu fangen. Die sehen gar nicht so schlimm aus, bis man die Haut an der Schnute mal etwas runter schiebt, dann kommen die zahlreichen und echt scharfen Zähne zum vorschein. Und trotzdem habe ich es gewagt in dem Wasser baden zu gehen. Angeblich fressen Piranhas nur totes Fleisch (und ab und zu mal eine kleine Ente). Ich habe zwar zahlreiches Zeugs an meinen Beinen gemerkt, aber gebissen hat mich nichts! Eine weitere Sensation im Amazonasgebiet ist natürlich die Anakonda (eine Würgeschlange, die bis zu 15m lang werden kann). Wir haben selbst nach einer zweistündigen Suche im Schlamm keine gefunden. Echt schade... Dafür hat unser verrückter Guide einen Kaiman gefangen und ehe ich mich versah hatte ich das Viech in den Händen. Natürlich wollte ich das so, darauf stehe ich doch... Es war zwar noch ein kleiner Kaiman, allerdings nicht zu unterschätzen - er hatte Kraft und spitze Zähne.
Dann konnten wir noch eine Boa (auch eine Schlange) aus nächster Nähe sehen und einen ca. 5m grossen Kaiman, der nur 50cm vom Boot entfernt war. Ihr seht also, ein Ausflug in den Amazonas lohnt sich. es gibt so unendlich viel zu erleben, und wir haben gerade einmal nur einen Teil gesehen. Was extrem wichtig ist, ist ein guter Guide, denn in den Tagen, in denen wir dort waren, ging eine Gruppe Touris verloren, da die Guides zu blöd waren. Wir hatten sie nachmittags noch über den See paddeln sehen, danach hatten sie sich im Urwald verlaufen und wurden erst im Laufe des nächsten Tages wieder gefunden. Zurück in Quito haben wir noch einen Ausflug zum Mitad del Mundo gemacht. Ein riesen Zirkus um den Null-Meridian. Aber es war schon sehenswert. Vor allem weil wir uns einen GUide geleistet haben, der uns die Auswirkungen des Null-Meridians genau erklären konnte. es wirken ganz andere Kräfteverhältnisse auf dem Null-Strich. So ist es unmöglich die Hände zusammenzuhalten wenn ein anderer dran zieht (verblüffender Weise ist es 5m weiter rechts vom Null-Meridian möglich). Und natürlich haben wir den Wassertest gemacht. Einmal die Wanne voll und auf dem Null-Meridian ablaufen lassen - Ergebnis: kein Strudel. 5m weiter rechts gab es einen Strudel entgegen dem Uhrzeigersinn, 5m weiter links einen Strudel im Uhrzeigersinn. Das nenne ich mal wahre Magie ;o)
Ecuador hat sich überraschender Weise als ein wirklich wunderschönes Land entpuppt. Wir hatten keine grossen Erwartungen von diesem kleinen Land und waren deshalb um so mehr von der Freundlichkeit der Menschen, der Natur und allem drumherum erfreut.