10.2006
Peru
Peru - Touristen sind Geldschweine!!! Nachdem wir in Ecuador alles an Tieren gesehen haben, was es so zu sehen gibt, ging es weiter nach Peru, wo wir gespannt waren auf die Kultur, die in den bisherigen Ländern ganz schön auf der Strecke geblieben ist (weil es da größtenteils gar keine gab!).
Unsere ersten Busfahrten in Peru gestalteten sich nicht anders als in den übrigen Ländern - es ist einzig darauf verlass, dass auf nichts verlass ist... So hatten wir eigentlich vor von Ecuador bis nach Huaraz in Peru zu fahren. Laut Busfahrplan war es möglich, praktisch sind wir jedoch auf halber Strecke gescheitert, da alle Busse ihre Fahrtzeiten um ein oder zwei Stunden nicht eingehalten haben. Man gewöhnt sich daran und irgendwann kommt man dann doch da an wo man will. In unserem Fall war unser erstes Ziel wie gesagt Huaraz, ein kleiner Ort inmitten von schneebedeckten Bergen. Schon auf dem Weg dorthin merkten wir, dass es beständig bergauf ging, da zum einen unsere Ohren knackten wie verrückt und zum
anderen die Temperatur beträchtlich viel... Bei lausigen Temperaturen sind wir dann früh morgens angekommen und konnten als erstes einen wunderschönen Sonnenaufgang zwischen den schneebedeckten Bergen bewundern. Da wir noch den ganzen Tag zur Verfügung hatten, beschlossen wir eine Tagestour in den Nationalpark zu machen. Na ja, nicht gerade die beste Idee, da solche "Pauschaltouren" nur was für ältere Touris sind. Dementsprechend haben wir den Altersdurchschnitt in unserem Bus ganz schön gedrückt. Die Tour an sich war leider auch nicht so berauschend. Wir waren an einer Lagune, die an und für sich sehr schön war, allerdings gab es dort extrem viele komische Mücken, so dass man ständig mit weglaufen oder vermummen beschäftigt war. Trotz allen Vorsichtsmassnahmen haben uns ein paar erwischt. Keine Ahnung was das für Monstermücken waren, auf jeden Fall sind
selbst bei mir die Stiche angeschwollen und Anja hatte drei Tage später noch mit ihrer klumpigen Hand zu kämpfen...
Um wirklich etwas in den Bergen zu erleben, haben wir uns entschlossen eine Tour mit Zelt zu buchen - und es war eine wirklich gute Idee!!! So sind wir innerhalb von einem Tag von knapp 3.000 Höhenmeter rauf auf 4.500. Ab 4.000 wurde es auch für mich etwas schwerer... Zehn Schritte gehen, dann zehn Minuten Pause. Als Entschädigung für all die Mühen gelangten wir zum Schluss an eine wirklich wunderschöne Lagune, die am Fuss eines Riesenberges lag. Dort haben wir dann unsere Zelte aufgeschlagen und zitternd auf die Nacht gewartet. Zusammen mit einigen anderen Leuten gab es dann ein Feuer (das mehr gequalmt als gebrannt hat) und jede Menge Rum. Irgendwas muss man ja schliesslich gegen die Kälte unternehmen. Kalt war es wirklich ganz schön... Wir hatten abends so um die ein oder zwei Grad. Morgens war alles rings um uns weiss vom Frost...
Doch in der Nacht war weniger die Kälte das Problem, vielmehr hat uns die Höhe
zu schaffen gemacht. In dem Moment, als wir uns hingelegt haben, begann die Kurzatmigkeit und man hatte ständig das Gefühl zu ersticken. Mit viel Ruhe und gutem zureden verfielen wir dann doch in einen angenehmen Schlaf!!!
Von Huaraz führte uns unser Weg weiter nach Lima. Als Hauptstadt ist Lima aufgrund seiner Grösse schon beeindruckend. Ansonsten hat die Stadt für uns allerdings keinen Charme. Sie gestaltet sich grau in grau und hat ausser Einkaufsmeilen nichts zu bieten. Jedenfalls war dies das Bild, das uns dort bot... Also beschlossen wir hier nur einen Tag zu verweilen um dann gleich weiter nach Ica zu fahren. Was wir allerdings nicht ausgelassen haben war das Kloster San Francisco mit den bekannten unterirdischen Katakomben, in denen zigtausende Menschen begraben wurden. War schon nett die ganzen Knochen und Schädel dort im dunkeln anzusehen... In Ica angekommen ging es mit einem Taxi weiter in die nahegelegene Oase Huacachina. (Ach ja, die gesamte Pazifikküste Perus ist eine
einzige grosse Wüste. Da wird spätestens jede Busfahrt nach 20 Minuten langweilig. Da ist wirklich nichts ausser Sand...) Da wir schon mal in einer Oase waren, beschlossen wir dort auch gleich zu übernachten. Wann kann man schonmal in einer wirklichen kleinen Oase schlafen?! Dieser Ort ist wirklich nur zu empfehlen. Nicht nur das Hostel mit seinen Papageien und den Cocktails am Lagerfeuer war die Fahrt dorthin Wert, auch der Spass in der Wüste ist nicht zu unterschätzen. Mit Sandbuggies ging es raus in die Wüste und das bei Vollgas. Das heisst, man schiesst mit 50/60 Sachen über die wirklich hohen Dünen und landet dank der recht guten Federung relativ sanft auf der anderen Seite. Bei besonders hohen Dünen wurde angehalten und es ging mit "Snowboards" runter. Es waren nicht wirklich Snowboards, aber sowas in der Art. Auch das "Gleiten" auf dem
Sand muss man sich anders vorstellen als Snowboarden. Es ist viel schwieriger und wenn man fällt hat man den Sand im Schlüpfer... Aber dennoch war es ein Mordsgaudi!!!! Nach der dritten Düne konnte ich aufrechtstehend bis nach unten gleiten - es geht also!!
Von Ica aus ging es dann weiter nach Nazca, wo wir uns die weltbekannten Nasca-Lines angeguckt haben. Für alle, die es nicht wissen (ich wusste es vorher auch nicht..), bei den Nasca-Lines handelt es sich um grosse Tierfiguren, die bis zu 180m im Durchmesser sind. Das Besondere daran ist, dass sie vor 2000 Jahren in die Erde "gemalt" wurden und noch heute zu
sehen sind. Keiner weiss wieso sie dort sind und wie sie gemacht wurden. Auch wenn man es nicht weiss, sie sind wirklich schön anzusehen. Besonders wenn man wie wir morgens mit dem Flugzeug darüber hinwegfliegt!! Aber Vorsicht, die Flugzeuge (kleine Cessnas) haben es in sich... Selbst mir wurde es nach 10 Minuten schwummerig im Magen. Anja hatte schon nach den ersten beiden Figuren "die Schnauze voll" und konnte keine Fotos mehr machen. Aber sie hat nicht gekotzt!!! Zu sehen gab es unter anderem einen riesigen Affen, eine Spinne, einen Astronauten, Hände und noch ca. 10 andere Figuren. Nach dem Rundflug und einer längeren Ruhepause ging es dann weiter zum Friedhof, da dort einige wirklich sehenswerte Mumien zu besichtigen gibt. Sehenswert sind sie deshalb, da sie der Wüstensand sehr gut konserviert hat. Teilweise hocken sie da in ihren Gräbern noch mit Haut und Haar... Nach Nasca zog es uns weiter in die wohl bekannteste Touristadt Cusco.
Bekannt ist sie deshalb, da von hier aus alle Wege nicht nach Rom, sondern zum Machupicchu führen. So auch für uns. Allerdings wählten wir nicht den legendären Inca-Trail, sondern den mittlerweile auch sehr beliebten Salcantay-Trail. Beide Strecken haben ihre Reize, allerdings war für uns der ausschlaggebende Punkt uns für den Salcantay zu entscheiden der, dass wir nicht mit 2000 anderen Leuten auf dem Inca-Tral langlaufen wollten. Hinzu kommt, dass wir keine Reservierung hatten und der Trail tatsächlich bis zu eineinhalb Monate im Voraus ausgebucht ist. In Cusco standen wir bei der Suche nach einem Touranbieter ganz schön blöd da... Es gibt ca. 100 Anbieter, die alle das gleiche Programm anbieten, allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen. Die Spanne bewegt sich zwischen 150 und 360 Dollar. Da ist guter Rat teuer... Wir haben unseren Bauch entscheiden lassen und eine Tour für 170 Dollar pro Nase gebucht. Eine wirklich gute Entscheidung, da wir feststellen mussten, dass unsere Gruppe aus ca. 8 verschiedenen Agenturen bestand und einige tatsächlich 350 Dollar bezahlt hatten! Auch mit unserer Gruppe hatten wir Glück. Wir waren zwar 15 Leute, was ganz schön viel ist, aber die waren echt gut drauf und dank des multikulti
Mixes (2 Neuseeländer, 1 Chinese, 4 Deutsche, 2 Iren, 3 Engländer, 2 Brasilianer, 1 Schwedin) gab es auch viel zu erzählen! Die Tour an sich war teilweise schwierig, teilweise leicht aber es gab zu jeder Zeit viel zu sehen. So ging es z.B. zu Fuss auf 4.600m hoch (ich war der erste, der den Gipfel erreicht hat!!!) und am nächsten Tag 8 Stunden lang nur bergab, was auch nicht viel leichter war. Die Blasen an unseren Füssen taten das ihrige um uns noch weiter an unsere physischen Grenzen zu bringen... Als es bergab ging, ging es auch mit meiner Gesundheit bergab. Ich hatte mir Dank des netten Flusswassers, mit dem gekocht wurde, eine nette Infektion eingefangen, die sich in wirklich schlimmem Fieber äusserte und in einer ordentlichen Scheisserei endete!!! Nach zwei Tagen war dann alles wieder gut und ich konnte in aller Ruhe den Machupicchu
geniessen. Wir haben es tatsächlich geschafft als erste dort oben anzukommen, was tausendmal schöner ist als sich mit etlichen anderen Touristen um die besten Aussichtsplätze zu streiten!!! Eigentlich dachte ich immer der Machupicchu (das ist eine Ruinenstätte, die auf einem Berg gebaut wurde. Dazu wurde der Berg erstmal abgeflacht, dann eine komplette Stadt aus Stein für die bedeutendsten 800 Priester der damaligen Zeit gebaut.) wäre nur so ein Touristending, was angepriesen wird um Geld zu machen, aber ich musste feststellen, dass die alten Inkas da wirklich ganz schön was hingezaubert haben. Es ist wirklich unglaublich, was die alles aus den Steinen gebaut haben. Jeder Steinmetz würde vor Staunen auf die Knie fallen!!! Von Cusco aus ging es weiter nach Arequipa, wo wir uns erst einmal von den Strapazen erholen mussten... Dennoch liessen wir es uns nicht entgehen zum nahegelegenen Canyon del Colca zu fahren um einen Blick in den zweittiefsten Canyon der Welt zu werfen. Es ist schon beeindruckend, aber uns hat es nicht wirklich umgehauen... Interessanter war es da schon morgens am Cruz del Condor auf die Condore zu warten, die von dieser Stelle aus hinauf und über die Berge zur Futtersuche fliegen. Da es sich bei Condoren um wirklich grosse Vögel handelt (bis zu 4m Spannweite), ist es echt beeindruckend sie dahingleiten zu sehen!!! Nach Arequipa führte uns unser Weg zum Titikaka-See (da wollte ich schon immer mal hin - allein schon des Namens wegen!!!) und dort nach Copacabana. Aber das ist schon Bolivien und gehört daher in den nächsten Teil unserer Reise!!!